Meerrettich - ein pflanzliches Antibiotikum

von Natascha von Ganski 01. November, 2018

»Denn eure Nahrung soll eure Medizin sein!« pflegte Paracelsus zu sagen. Zu Zeiten Karls des Großen hatte jeder, der einen Garten besaß, auch Heilpflanzen zum Schutz vor Krankheiten anzupflanzen. Die Heilkräfte des Meerrettichs sind bereits seit der Antike bekannt. So verkündete das Orakel zu Delphi: »Radieschen ist sein Gewicht in Blei wert, Rettich in Silber, aber Meerrettich in Gold«. Unsere Vorfahren dachten noch pragmatischer: Das Labor wurde Küche genannt und Schnittwunden mit Kräutern, die gerade zur Hand waren, versorgt. Der Meerrettich eignet sich zwar nicht zur Versorgung einer Wunde, dennoch ist er ein wahrer Tausendsassa bei Schmerzen oder Infektionen.

Die scharfe Wurzel, die vermutlich aus den Steppen des östlichen Russlands zu uns nach Europa gekommen ist, enthält eine Reihe wertvoller Inhaltsstoffe. So zum Beispiel die Vitamine B1, B2 und B6 – alle drei Nervenfutter gegen Stress. Außerdem enthät Meerrettich doppelt so viel Vitamin C wie eine Zitrone. Bekannt ist der Meerrettich allerdings für seine Schärfe, die ihm Mutter Natur zum Schutz vor Fressfeinden mit auf den Weg gegeben hat. Verantwortlich hierfür ist der Wirkstoff Sinigrin, ein Senföl-glycosid, das erst durch Kauen zur Enzymspaltung angeregt wird und das für den scharfen Geschmack verantwortlich ist. In der klassischen Pflanzenheilkunde wird der Meerrettich immer dann eingesetzt, wenn eine verstopfte Nase und Husten die Atemwege belasten.

Meerrettich ist ein pflanzliches Antibiotikum

Die in der Wurzel befindlichen Senföle wirken antibakteriell und können erfolgreich gegen Infektionen eingesetzt werden. Als »natürliches Antibiotikum« verringert Meerrettich die Zahl der Erreger, ohne dabei den gesamten Organismus zu schwächen, wie es manchmal nach einer Antibiotika-Kur vorkommt. Ob innerlich oder äußerlich angewandt – die Heilkräfte des Meerrettichs sind vielfältig. Die frisch geriebene Wurzel entfaltet – als Kompresse in den Nacken gelegt – rasch eine angenehme Wärme, die die Durchblutung fördert und angeschwollene Schleimhäute zum Abschwellen bringt. Die dabei eingeatmeten ätherischen Öle unterstützen diesen Prozess. Die Meerrettich-Kompresse ist auch bei Migräne ein Versuch wert! Frisch geriebener Meerrettich sollte immer in Kombination mit anderen Lebensmitteln gegessen werden, da die Senföle die Magenschleimhaut zu stark reizen können (ein Esslöffel Meerrettich auf 5 – 10 Esslöffel frisch geriebener Apfel).

Auch bei Verdauungsproblemen kann man den Meerrettich in das Ernährungsprogramm aufnehmen. Die Meerrettichwurzel wirkt wie eine Reinigungskur von innen, lässt die Zahl der »schlechten« Erreger im Darm sinken und sorgt so für ein Milieu der gesunderhaltenden Mikroorganismen. Der Ursprung des Namens »Meerrettich« liegt übrigens bis heute im Dunkeln. Worin sich Namensforscher jedoch einig sind: etymologisch betrachtet hat er nichts mit dem Meer zu tun.

 

 

 

 




Natascha von Ganski
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