Eine für alles - Die Melisse

von Natascha von Ganski 29. April, 2019

Sie tut unserem Herz gut, duftet herrlich, gibt manchem Dessert eine ganz besondere Note und wurde bereits von den Ärzten in der Antike hochgelobt: die Melisse.
Die Melisse wird in der Volksheilkunde auch Bienenkraut, Frauenwohl, Herztrost, Zitronenkraut, Zitronenmelisse oder Mutterkraut genannt. Der Name Melisse stammt aus dem Griechischen und bedeutet Biene. Und in der Tat lieben Bienen die Melisse. Imker verwenden sie gerne als Lockmittel, wenn sie einen Bienenstock umsetzen, damit der Bienenstamm den neuen Wohnsitz besser annimmt. Und auch wir Menschen können von den Eigenschaften der Melisse profitieren. Insbesondere in der heutigen Zeit, wo es zunehmend schwer fällt, abzuschalten und zur Ruhe zu kommen. Jahrelange Daueranspannung führt nicht selten zu körperlichen und psychischen Problemen, wie Verdauungsstörungen, Herz-Kreislauf- und Schlafbeschwerden. Hier können verschiedene Zubereitungen der Melisse Linderung verschaffen.

Inhaltsstoffe

Wichtigster Inhaltsstoff der Pflanze ist das wertvolle ätherische Öl, das unter anderem Citronellal und Citral enthält. Daneben sind noch Gerbstoffe, insbesondere die Rosmarinsäure, Flavonoide und ein wenig Bitterstoffe für die Wirkung der Melisse mitverantwortlich.

Wirkung und Anwendungsbereiche

Die Melisse kann auf vielfältige Art und Weise zubereitet und angewendet 
werden. Am gebräuchlichsten als Tee, Tinktur oder als ätherisches Öl. Aber auch traditionelle Rezepturen, wie der Melissengeist oder Melissenlikör sind in der Volksheilkunde noch heute sehr beliebt. Wissenschaftlich anerkannt ist die innerliche Anwendung von Melissenblättern bei nervös bedingten Einschlafstörungen und nervös bedingten Magen-Darm-Beschwerden. 
Traditionell wird die Melisse bei Erschöpfungszuständen, zur Stärkung der Nerven und zur Förderung der Konzentration eingesetzt. Sie kommt aber auch bei nervösen Herzbeschwerden und als Stärkungsmittel in Erkältungszeiten zur Anwendung. Äußerlich wird sie zur Behandlung von Lippenherpes verwendet. Speziell bei Frauen gibt es gute Erfahrungen bei typischen Frauenbeschwerden wie dem prämenstruellen Syndrom (PMS) und bei Akne.

Traditionelles

Bereits Hildegard von Bingen (1098 –1179) sprach in ihren Werken von einer »Binsuga« (»Bienenauge «), welche das Herz fröhlich mache. Und sie war so begeistert von der Pflanze, dass sie ihr zuschrieb, »die Kräfte 15 anderer Kräuter« in sich zu tragen. Der Herzbezug der Melisse, die später auch als Mutterkraut, Herzkraut oder Herzenstrost beschrieben wurde, fand sich ebenso in späteren Schriften.

Der legendäre französische Pflanzenheilkundige Maurice Mességué (1921 - 2017) sagt folgendes zur Kraft der Melisse:
„In meinen Augen ist sie die Königin unter den anregenden Kräutern. Zaghaften Liebhabern, beunruhigten Familienvätern, Frauen, die von Geldsorgen oder von ihren Frauenproblemen gequält werden, Verzweifelten, den ewig vom Leben Unterdrückten empfehle ich dieses Zauberkraut, das wieder ermuntert und selbst den größten Melancholikern wieder Lebenskraft und Lebensfreude schenkt. Ich habe viele nervöse Depressionen mit der Melisse behandelt. Die Melisse bekämpft gerade jene Störungen, die den psychischen Zusammenbruch erzeugen oder durch ihn hervorgerufen werden, und in beiden Fällen ist eine Besserung nach der Behandlung gesichert.“

Der als Schweizer Kräuterpfarrer bekannt gewordene Johann Künzle (1857 - 1945) rühmt ebenfalls die Eigenschaften der Melisse:
„Der Melissentee ist der Trost der Frauen: Er macht leicht ums Herz und wird daher besonders den Kindbettfrauen als Herzstärkung verabreicht. Melissentee ist aber auch ein gutes Magenmittel, das den zähen Schleim auflöst und die Schleimhäute geschmeidig macht. Seit alters her wird der Melissentee auch als Schönheitsmittel angewendet: Waschungen mit diesem Tee entfernen nämlich allerhand Hautunreinigkeiten.“

Zubereitungen

Tee:
1-2 gehäufte TL Melissenblätter mit einer großen Tasse heißem (nicht mehr kochendem) Wasser übergießen, 7 bis 12 Minuten zugedeckt ziehen lassen und abseihen. Täglich 2 bis 4 Tassen trinken, am besten zwischen den Mahlzeiten.

Melissenwein:
Eine Handvoll frische Melissenblätter für 24 Stunden bei Zimmertemperatur in 1 Liter Weißwein ausziehen. Nach dem Abfiltern ist der Melissenwein eine Woche im Kühlschrank haltbar.
Nach Hildegard von Bingen soll ein kleines Glas warmer Melissenwein am Abend die Nerven beruhigen und das Einschlafen fördern.

Massageöl zur Entspannung:
50 ml Mandelöl
10 Tropfen ätherisches Lavendelöl (Lavandula angustifolia)
5 Tropfen ätherisches Melissenöl (Melissa officinalis)
5 Tropfen Ylang-Ylang (Cananga odorata)

Die ätherischen Öle mit dem Mandelöl in eine verschließbare Tropfflasche geben und leicht schütteln. Am besten nachtmittags oder am Abend, eine kleine Menge der Ölmischung auf dem Brustbein verreiben.




Natascha von Ganski
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